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Wie ich 1998 versehentlich zum Hamster-Experten wurde

1998 bastelte ich mir am Meteorologischen Institut der Universität Bonn eine kleine persönliche Homepage. Das machten damals viele Studierende. Ich hatte eine Seite, etwas Begeisterung und ein überschaubares Problem: Mir fehlte der Inhalt.

Homepage sucht Thema

Glücklicherweise hatte ich gerade ein Buch über Zwerghamster und ihre Pflege gekauft. Also gab ich das frisch erworbene Wissen auf meiner Homepage zum Besten. Mein Studienfach war Meteorologie. Für den Content waren die Hamster zuständig.

Ein ausgefeilter Veröffentlichungsplan steckte nicht dahinter. Die Überlegung war deutlich einfacher: Ich hatte eine Website und etwas, worüber ich schreiben konnte. Das reichte erst einmal.

Die Suchmaschinen beförderten mich

Das Web steckte noch in den Kinderschuhen. Meine kleine Hamsterseite landete in den Suchergebnissen so weit oben, dass mich plötzlich E-Mails erreichten, in denen man mich als Hamster-Experten ansprach.

Meine Qualifikation für diese unerwartete Rolle? Ich hatte ein Buch gelesen und eine Homepage gebaut. Das Internet hatte die Bewerbung offenbar geprüft und für ausreichend befunden.

Eigentlich wollte ich nur eine Webseite füllen. Nun hatte ich einen Expertenruf in einem Fachgebiet, das in einen kleinen Käfig passte.

Und dann meldete sich das Institut

Jahre später wurde die Seite vom Netz genommen. Darüber wurde ich informiert — und erfuhr dabei, dass sie mit Abstand die meistbesuchte Seite im Institut gewesen war.

An einem meteorologischen Institut bestand mein persönlicher Beitrag zur Web-Popularität also offenbar aus Zwerghamstern. Das war nicht ganz die akademische Spezialisierung, die ich mir vorgestellt hatte.

Mein erster Web-Erfolg hatte Backentaschen

Was mich daran bis heute zum Grinsen bringt: Wie wenig davon geplant war. Mir fehlte Content, ich teilte etwas, das mich interessierte, und erreichte Menschen, an die ich vorher gar nicht gedacht hatte.

Rückblickend habe ich auch einen nützlichen Unterschied kennengelernt: Gut gefunden zu werden und Experte zu sein ist nicht unbedingt dasselbe.

Ich baue noch immer gerne Dinge fürs Web. Heute sind es Cloud-Geschichten, kleine Browser-Spiele oder eine Trainings-App. Damals reichte ein Buch über Hamsterpflege als Startkapital.

Mein erster Web-Erfolg hatte Backentaschen. Die Meteorologie musste sich das Rampenlicht teilen.

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