Agentic Coding verĂ€ndert nicht nur, wie Code entsteht. Es verĂ€ndert auch meine Zeitplanung. Ich ĂŒbergebe eine Aufgabe, der Agent legt los â und fĂŒr mich entsteht eine neue Entscheidung: Bleibe ich dabei oder nutze ich die Zeit fĂŒr ein anderes Thema?
WĂŒsste ich, dass er noch zwanzig Minuten braucht, könnte ich etwas anderes anfangen. BrĂ€uchte er in dreiĂig Sekunden eine RĂŒckmeldung, wĂŒrde ich vermutlich warten. Schwierig ist, dass ich oft nicht weiĂ, welche dieser Situationen gerade zutrifft.
Warten ist nicht automatisch freie Zeit
Ein laufender Agent erzeugt eine ungewohnte Wartesituation. Ich schreibe nicht mehr jede Ănderung selbst, bin aber auch nicht unbedingt frei. Vielleicht muss ich etwas freigeben, eine Anforderung prĂ€zisieren oder das Ergebnis prĂŒfen.
Dem Verlauf zuzusehen fĂŒhlt sich nach Mitarbeit an. Manchmal lese ich dabei nur Statusmeldungen, ohne selbst etwas voranzubringen. Gehe ich dagegen weg, kann der Agent kurz darauf eine Frage stellen und untĂ€tig auf meine Antwort warten.
So entsteht ein Aufmerksamkeitsproblem: Entweder warte ich auf den Agenten â oder der Agent wartet auf mich.
Lohnt es sich, ein anderes Thema anzufangen?
Nicht jede LĂŒcke lĂ€sst sich gleich gut nutzen. FĂŒr eine kleine organisatorische Aufgabe reichen vielleicht wenige Minuten. Ein anderes technisches Problem braucht dagegen einen lĂ€ngeren, möglichst ungestörten Zeitraum. Allein der Einstieg kostet Zeit: Kontext laden, den letzten Stand verstehen und wieder ins Denken kommen.
Ist der erste Agent genau dann fertig, wenn ich im zweiten Thema angekommen bin, muss ich erneut entscheiden. Unterbreche ich die neue Arbeit und verliere den Faden? Oder lasse ich das fertige Ergebnis liegen? Ein zweiter Agent löst dieses Problem nicht automatisch. Im ungĂŒnstigen Fall brauchen mehrere ArbeitsstrĂ€nge gleichzeitig meine PrĂŒfung.
Die hilfreiche Frage lautet deshalb nicht nur: âWann ist der Code fertig?â Sondern: âWie viel Zeit kann ich sinnvoll anders nutzen, bevor diese Aufgabe wieder meine Aufmerksamkeit braucht?â
Ein Spinner hilft nicht bei dieser Entscheidung
âArbeitetâ sagt mir lediglich, dass etwas passiert. Es verrĂ€t nicht, ob der Agent das Problem noch erkundet, Ănderungen umsetzt, Tests ausfĂŒhrt oder auf einen externen Dienst wartet.
FĂŒr meine Planung sind das unterschiedliche Situationen. WĂ€hrend der Analyse kann eine fehlende Anforderung auffallen. Ein laufender Test lĂ€sst möglicherweise ein besser einschĂ€tzbares Zeitfenster. Eine Freigabe braucht mich jetzt. Und ein fertiger Patch muss noch geprĂŒft werden â diese Arbeit verschwindet nicht durch die Automatisierung.
Ohne diese Unterscheidung plane ich um eine Blackbox herum. Ich schaue entweder zu oft nach oder komme zu spĂ€t zurĂŒck.
Was mir eine ETA wirklich sagen sollte
Ich brauche keinen Countdown, der vorgibt, die Zukunft zu kennen. Ich brauche genĂŒgend Orientierung fĂŒr meine nĂ€chste Entscheidung.
- In welcher Phase ist der Agent?
- Braucht er mich gerade oder kann er selbststÀndig weitermachen?
- Ist das nÀchste Zeitfenster voraussichtlich kurz oder lÀnger?
- Wie unsicher ist diese EinschÀtzung und hat sich etwas verÀndert?
âPrĂŒfung lĂ€uft · grobes Zeitfenster: einige Minuten · keine Eingabe nötigâ wĂ€re beispielsweise hilfreicher als ein Spinner. Das ist ein OberflĂ€chenbeispiel, keine gemessene Prognose oder Behauptung einer vorhandenen Funktion.
Dabei sollte die Anzeige zwischen dem erwarteten Abschluss und der nĂ€chsten nötigen RĂŒckmeldung unterscheiden. Eine Aufgabe kann insgesamt lange dauern und trotzdem schon gleich eine Entscheidung brauchen.
Besser planen, ohne falsche Versprechen
Anfangs wird jede SchĂ€tzung unsicher sein. Der Umfang kann sich verĂ€ndern, eine PrĂŒfung scheitern oder ein externer Dienst lĂ€nger brauchen. Eine brauchbare Prognose macht solche Ănderungen sichtbar, statt einen abgelaufenen Countdown stehen zu lassen.
Der erste Schritt darf klein sein: âArbeitet selbststĂ€ndigâ und âWartet auf dichâ mĂŒssen klar unterscheidbar sein. Danach kommen grobe Zeitspannen hinzu, wo es Belege gibt. Erst der Vergleich mit tatsĂ€chlichen AblĂ€ufen zeigt, wie weit ich ihnen bei meiner Planung vertrauen kann.
Das Ziel ist, eine passende TĂ€tigkeit fĂŒr das verfĂŒgbare Fenster zu wĂ€hlen. Manchmal bleibe ich beim Agenten. Manchmal erledige ich eine Kleinigkeit. Und manchmal lohnt es sich tatsĂ€chlich, ein anderes Thema zu verfolgen.
Agentic Coding kann die Umsetzung voranbringen, wĂ€hrend ich etwas anderes mache. Damit das im Alltag hilft, muss ich aber auch einschĂ€tzen können, wann ich gehen kann, wann ich zurĂŒckkommen sollte und wie viel Aufmerksamkeit die Ăbergabe noch braucht.
Zur praktischen ErgÀnzung: Eine ehrliche ETA-Anzeige bauen.


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